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Autobiographische Skizzen
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We are the people!
Das Anna Lindh Forum 2010 in Barcelona
Eindrücke einer Konferenz der Zivilgesellschaften
von Farah Lenser
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We are the people! verkündet die zwanzigjährige Maha Staiti, die palästinensische Vertreterin von Combatants for Peace während der Abschlussveranstaltung des Anna Lindh Forums 2010 vor grossem Auditorium in Barcelona, die Mauer ist nicht zwischen den Menschen, die Mauer ist zwischen den Regierungen. Und sie erzählt, wie israelische Soldaten und Palästinenser, die dem bewaffneten Widerstand angehörten, ihre Waffen niederlegten, um gemeinsam einen fried lichen Weg zu suchen, den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu lösen.
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Combatants for Peace wurde 2005 gegründet; ihre Mitglieder überqueren regelmäßig die Grenze, um sich gegenseitig zu besuchen und zuzuhören. Sie lernen, sich den Geschichten der Verletzung, Trauer und Wut zu stellen, helfen beim Wiederaufbau von zerstörten palästinensischen Wohnhäusern und üben sich im zivilen Ungehorsam, indem sie gegen neue israelische Siedlungen und Schikanen an den Grenzübergängen demonstrieren.
2009 erhielt diese Nichtregierungsorganisation (NRO) den Euro-Med Preis für den Dialog zwischen den Kulturen, den die Anna-Lindh-Stiftung an Organisationen und Personen vergibt, die sich für eine Kultur des Friedens und für Koexistenz in der Euro-Mediterranen Region einsetzen.
Die Anna-Lindh-Stiftung repräsentiert ein Netzwerk der Zivilgesellschaften: Mehr als 3000 große und kleine Organisationen aus 43 Ländern der Euro-Mediterranen Region sind Mitglieder. Die Namensgeberin Anna Lindh war Politikerin, die erst als Umweltministerin und später als Außenministerin der schwedischen Regierung angehörte. Sie war nicht nur bei ihren Landsleuten sehr beliebt und wurde als zukünftige Regierungschefin angesehen.
Am 10. September 2003 wurde sie in einem Kaufhaus von einem jungen Mann serbischer Abstammung mit dem Messer attackiert und starb am folgenden Tag an ihren schweren Verletzungen. Ihr großes Vorbild war der schwedische Ministerpräsident Olof Palme, der 1986 ebenfalls einem Attentat zum Opfer fiel. Anna Lindh war der Überzeugung, dass der Dialog zwischen der Kulturen der richtige Weg sei, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen: Das Entscheidende bei diesem Dialog seien aber persönliche Begegnungen: Dialog ist nicht genug, Begegnungen entscheiden!
Diesem Credo war auch André Azoulay, Präsident der Anna-Lindh-Stiftung, gefolgt, als er das Anna-Lindh Forum 2010 initiierte, zu dem vom 4. bis zum 7. März über 1000 Menschen aus Europa und den Mittelmeerstaaten in Barcelona zusammenkamen. Auch ich hatte mich auf den Weg gemacht, um dort die ab40 mit ihrem Engagement um den Hanan-Dialog zwischen Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen in Marokko als Mitglied zu vertreten und um all die Organisationen und Menschen kennen zu lernen, die sich für Frieden in Europa und im Mittelmeerraum einsetzen.
Nach den offiziellen Begrüßungs- und Eröffnungsreden am ersten Nachmittag wurde der interkulturelle Marktplatz eröffnet, wo die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen ihre Arbeit vorstellten. Hier war nicht nur jede Menge Informationsmaterial ausgebreitet, sondern dort gab auch Andreu Claret, der aus Spanien stammende Direktor der Anna-Lindh-Stiftung, den Koordinatoren der nationalen Netzwerke das Wort, damit diese einen kurzen Einblick in ihre Aktivitäten geben konnten. Die Vielfalt der Projekte war überwältigend: Beeindruckend das Engagement gerade von Jugendlichen, die sich sowohl um den kulturellen und interreligiösen Dialog, als auch um den Erhalt der biologischen Vielfalt bemühten. Künstlerinnen und Künstler aus den Konfliktzonen Europas präsentierten mit Fotoausstellungen und kleinen Filmbeiträgen ihren Beitrag für eine friedliche euromediterrane Region.
Edgar Blume, neben Stefan Winkler vom Goethe-Institut. Mit-Koordinator des deutschen Netzwerkes, verwies auf die arabische Filmwoche, die dieses Jahr zum dritten Mal vom Verein euriente e.V. in Leipzig organisiert wird: Die Filme junger arabischer Regisseure werden inzwischen auch von Partnern innerhalb des deutschen Netzwerkes in Weimar, München, Hamburg und Mainz gezeigt.
Am nächsten Tag hatten wir alle die Qual der Wahl, uns zwischen den vielen Angeboten zu entscheiden: Es gab diverse Workshops in der Agora mit Titeln wie Interkulturelles Lernen und Jugend, Kulturelle und künstlerische Zusammenarbeit, Räume schaffen für Frieden und Ko-Existenz, Religion, Spiritualität und Werte sowie zu Städte, Migranten und Vielfalt. Themenfelder, zu denen Mitgliedergruppen sich schon auf vorbereitenden Konferenzen ausgetauscht hatten. Wie Menschen in den großen Städten ihre kulturelle Vielfalt schätzen lernen, wurde bereits von mehr als 40 Delegierten aus der Union für die Mittelmeerregion mit Erfahrungen im Bereich Migration und interkulturellem Dialog in München erörtert. Diese Konferenz wurde im Februar dieses Jahres vom Goethe- Institut ausgerichtet; dort ist das deutsche Netzwerk der Anna-Lindh-Stiftung angesiedelt, das von Stefan Winkler geleitet wird. Gerade zu dem Themenkomplex Städte, Migranten und Vielfalt: Kulturelle Diversität wertschätzen und Migration verstehen wird die Anna-Lindh-Stiftung Projektvorschläge finanziell unterstützen, denn Menschen aus verschiedenen Kulturen leben in den Großstädten nahe beieinander, oft ohne sich unbedingt zu verstehen, noch wirklich zu begegnen.
Kulturelle Vielfalt führt in den großen Städten eben auch zu Konflikten ein Problem, das in den täglichen Pressekonferenzen des Anna Lindh Forums von einigen Medienvertretern immer wieder aufgegriffen wird. Präsident André Azoulay wird nicht müde zu wiederholen, dass er mehr zum Optimismus als zum Pessimismus neige und dass die Vision einer Mediterranen Union ein weit gestecktes Ziel sei, das nicht kurzfristig zu erreichen und auch keine attraktiven und aktuellen Meldungen für die Medien produziere. Doch es gäbe durchaus Positives zu berichten, auch wenn es von der Presse weitgehend ignoriert werde. So seien gerade in Kairo und auch in Beirut Synagogen restauriert und feierlich eröffnet worden und in Marokko finde in dieser Woche eine Konferenz zur Integration von Juden und Muslimen statt ein Thema, das bis vor kurzem in Marokko noch ein Tabu gewesen sei, betont André Azoulay, der selbst Jude und Berater des marokkanischen Königs ist. Auf den Nahostkonflikt angesprochen, betont Azoulay, dass auch wenn die Anna-Lindh-Stiftung keine politische Agenda habe und er sich als Präsident der Stiftung dazu politisch nicht äußern könne, es doch dem Menschen André Azoulay völlig klar sei, dass eine mediterrane Union ohne einen Staat Palästina, in dem Würde, Gerechtigkeit, Freiheit und Recht eingeführt sei, eine Illusion bleiben müsse.
Die Konflikte im Nahen Osten, aber auch zwischen den neuen Staatsgebilden Serbien, Kroatien, Bosnien wurden in der Medina diskutiert, wo die verschiedenen NROs sich zu gemeinsamen Arbeitsgruppen zusammenfanden. Doch immer ging es auch hier um Lösungsansätze und beispielhafte Projektideen, wie etwa bei Active Citizens for Dialogue, wo Konflikte wie zum Beispiel in Zypern mit strukturierten Dialogverfahren überwunden werden konnten. Ein praktisches, computergestütztes Erörterungsverfahren vom Mitbegründer des Club of Rome Alexander Christakis für große Gruppen in demokratischen Entscheidungsprozessen entwickelt , das Larry Fergeson vom Future World Center in vielen Konfliktzonen dieser Erde erfolgreich angewendet hat.
Dialog erscheint vielen als strapazierter Begriff und ist doch immer wieder essentiell wichtig bei allen Versuchen schwelende und aktuelle Konfliktsituationen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen zu entschärfen. Wie wichtig dabei vor allem die Rolle der Frauen ist, wurde in einem speziellen Workshop erörtert. Dort erzählte Miralem Torsinolic, ein Friedensaktivist aus Kroatien, von den Bemühungen, Gespräche zwischen Serben und Kroaten anzustoßen, um die gemeinsame konfliktreiche Geschichte aufzuarbeiten. Dabei sei ihm aufgefallen, dass sich fast immer nur Frauen an diesen Aktivitäten beteiligt hätten. Er habe daraus den Schluss gezogen, dass Frauen einfach eher in der Lage seien, Empathie für andere Menschen zu empfinden. Und sein Kollege Igor Djordevic erinnert an die Frauen von Szrebeniza, die sich mutig ihrem Schmerz stellten, und auch an die Frauen in Schwarz, die zuerst 1972 in Argentinien als Mütter von der Plaza de Mayo in schwarzer Kleidung nach ihren verschwundenen Kindern fragten. Mit Beginn der ersten Intifada in Israel/ Palästina wurde diese Form des öffentlichen Protes tes gegen Krieg und Terror von den Women in Black in Jerusalem und 1991 von Belgrader Frauen in Ex-Jugoslawien übernommen. Seitdem sind Frauen weltweit als Women in Black aktiv, um einen gewaltfreien Kampf für Frieden zu führen.
Die Palästinenserin Maha Staiti und ihre israelische Freundin Gitit El Bar von Combatants for Peace bestätigen, wie wichtig es sei, sich gefühlsmäßig zu öffnen, denn der Prozess der Versöhnung kann nur gelingen, wenn jede Person bereit ist, sich der eigenen und der emotionalen Wahrheit der anderen zu stellen. In dem kurzen Filmbeitrag, den sie mitgebracht haben, bekennt ein ehemaliger israelischer Soldat wie schwer es ihm gefallen sei, sich die persönlichen Geschichten der Palästinenser anzuhören, die auch Teil seiner eigenen schmerzlichen Erinnerungen sind. Doch nur die gegenseitige Akzeptanz der Trauer, des Schmerzes und der Wut kann zu Vertrauen und Freundschaft führen. Eine junge Palästinenserin, die ihren Mann durch einen hinterhältigen Anschlag der Israelis verloren hatte und nur noch von Rachegedanken heimgesucht wurde, erzählt, wie erschüttert sie war, als sie zum ersten Mal ehemaligen israelischen Soldaten gegenüberstand, die zu ihnen kamen, um Frieden zu schließen. Da habe sie begriffen, dass der Weg der Rache immer nur zu neuem Blutvergießen führe. Und ein israelischer Soldat, der mit dem Wissen aufwuchs, dass der Zionismus seinen Großvater vor dem Holocaust gerettet hatte, begreift, dass das Schicksal und die Entscheidungen seines Vaters und Großvaters nicht für immer sein eigenes Leben bestimmen können.
Den historischen Kontext von ethnischen und kulturellen Konflikten aufzuarbeiten und zu begreifen ist essentiell für eine Versöhnung zwischen den an gewaltsamen Konflikten beteiligten Menschen. Deshalb hat es sich Euro-Clio: History in Action, die wie Combatants for Peace mit dem Euro-Med Preis für den Dialog zwischen den Kulturen der Anna-Lindh-Stiftung ausgezeichnet wurde, zum Ziel gesetzt, ein gemeinsames Geschichtsbuch für die Region Ex-Jugoslawiens zu erstellen. Eine enorme Herausforderung: Denn bisher hat jede ethnische Gruppe dieser Region ihr eigenes Geschichtsbuch und ihre eigene Wahrheit.
Die bedeutsame Rolle der Medien bei der Berichterstattung und der historischen Aufarbeitung von Konflikten wurde auf verschiedenen Podien immer wieder erörtert. Doch gerade dafür fehle meist die Zeit, gibt die junge ägyptische Journalistin Ethar El Katatney zu bedenken: Die Medien wollten schnelle und explosive Nachrichten, gründliche Recherchen nach differenzierten Wahrheiten seien da nicht gefragt. Doch die Medienstruktur verändert sich radikal mit dem Internet und der jungen Generation von Bloggern. Ethar El Katatney ist eine von ihnen und moderne Technologie ist für sie selbstverständlich. Als ich mich mit ihr am nächsten Tag zu einem Gespräch verabreden will und einen zentralen Platz zu einer verabredeten Zeit vorschlage, sagt sie: Just text me! Da muss ich erst einmal passen, begreife dann aber, dass sie meint, ich solle ihr eine SMS schikken. Ehrlich gesagt, auf die Idee wäre ich nicht gekommen, habe ich doch mein Mobiltelefon abgeschaltet, da ich nicht erst von Spanien nach Deutschland und dann wieder von Deutschland nach Spanien telefonieren will. Da denke ich wohl ziemlich altmodisch und überschätze wahrscheinlich auch die Kosten, denn bestimmt gibt es dafür irgendeine Flatrate. Obwohl ich mit Internet, E-mail und Handy seit Jahren einigermaßen vertraut umgehe, habe ich hier doch das Gefühl, ein Dinosaurier zu sein. Während ich mir noch Notizen mit Bleistift oder Kugelschreiber auf Papier (toten Bäumen!) mache, sehe ich Ethar El Katatney und ihre jungen Kolleginnen und Kollegen nur mit Laptop auf dem Schoß oder gleich mit dem neuesten Handy im Internet surfen.
Die Anna-Lind-Stiftung stellte am ersten Tag Auszüge ihrer beim Meinungsforschungsinstitut Gallup in Auftrag gegebene Studie zu Interkulturellen Trends im euromediterranen Raum vor. Bemerkenswert fand ich, dass 50% der jungen Leute unter 30 Jahren in den mediterranen Ländern angeben, dass sie sich mit Freundinnen und Freunden (die sie meist nie persönlich getroffen haben) über nationale Grenzen hinweg per Chat im Internet austauschen, in Marokko sind es gar 58% und in der Türkei immerhin 55%.
Als ich mir im Pressezentrum die Blog-Einträge der jungen Ägypterin anschaue, begreife ich mehr und mehr, wie sehr die Welt sich bereits verändert hat. Medien sind keine Einbahnstrasse mehr, Blogger beschreiben nicht nur eigene Eindrücke und ihre Sicht der Dinge unabhängig von den offiziellen Medien in oft exzellenten Artikeln, sondern treten darüber hinaus auch in einen Austausch mit ihren Leserinnen und Lesern. Direkte Berichterstattung von Menschen vor Ort wie etwa bei den Unruhen im Iran während der letzten Wahlen gelangten so ohne Zensur an die Öffentlichkeit. Sicher: Auch Terroristen vernetzen sich per Internet, wie ein Journalist von Al Jazeera anmerkt, doch das Medium selbst kann von allen genutzt werden, wie Ethar El Katatney betont, und biete gerade jungen Menschen aus mediterranen Ländern die Möglichkeit zum Dialog. Denn viele von ihnen können nur virtuell reisen, weil sie für ihre Ausreise oft keinen Pass und für ihre Einreise in viele europäische Länder keine Visa bekommen.
Auch wenn Lisa Goldmann, eine junge israelische Journalistin und Bloggerin, sich fragt, warum trotz all der Informationen, die uns heute auch per Internet - zugänglich sind, Israelis und Palästinenser so wenig voneinander wissen. Doch wahrscheinlich, meint sie, sei das ein sehr menschliches Problem, dass man eben nur Informationen aufnehme, die ins eigene Weltbild passen. Es zeigt vielleicht auch, dass es letztendlich die persönlichen Begegnungen sind, die entscheiden, wie Eindrücke verarbeitet werden.
Lisa Goldmann wie auch Ethar El Katatney wurden 2009 mit dem Journalisten-Preis der Anna-Lindh-Stiftung ausgezeichnet: Lisa Goldmann für ihre Hintergrundberichterstattung zum Gaza-Konflikt und Ethar El Katatney für ihren Artikel zu kultureller Identität, in dem sie die Gefühle und Empfindungen von Halfies beschreibt, jungen Menschen, die entweder in einem mediterranen Land geboren und im Ausland oder auf internationalen Eliteschulen im eigenen Land ausgebildet wurden, oder auch Jugendliche mediterraner Herkunft, die in europäischen oder nordamerikanischen Kulturen aufwuchsen und die später wieder in die Heimat ihrer Eltern zurückkehrten.
Aufschlussreich war für mich der Kommentar einer reinen Ägypterin zu dem Artikel von Ethar El Katatney; diese berichtete, wie stolz sie immer gewesen sei, wenn sie in der amerikanischen Universität nach ihrer Herkunft befragt antworten konnte, sie sei pure Ägypterin, während andere sich als Afro-Amerikanerin oder Latino-Amerikanerin bezeichneten oder noch andere Halfies-Identitäten angaben. Bis eines Tages ein Professor genauer nachfragte und sie geduldig erklärte, dass ihre Eltern und Großelternpaare rein ägyptisch seien, sie in Ägypten geboren und auch dort aufgewachsen sei. Oh, meinte der da lächelnd: Sie würden sich selbst also weder als Afrikanerin, noch als Bewohnerin der Mittelmeerregion oder etwa als Araberin betrachten? Wahrscheinlich fühlen Sie sich auch nicht irgendwie mit der türkischen Tradition verbunden?
Und Ethar El Katatney schließt ihren Artikel mit einem Zitat von Patrice Brodeur, einem französisch-kanadischen Professor der Religionswissenschaft: Jeden Tag sterben Spezies wegen der Umweltprobleme aus. Das verringert die biologische Diversität und bedroht das Leben auf unserer Erde. Das gilt auch für die menschliche Ebene. Brechen wir das Problem herunter auf eine sehr einfache Ebene. Was passiert, wenn Menschen der gleichen Familie untereinander heiraten? Genau. Wir brauchen Vielfalt.
Was habe ich alles gelernt auf dieser wunderbaren Konferenz: Die Welt verändert sich rasant und junge Menschen haben heute kulturelle Erfahrungshorizonte, die nicht in unser übliches Entweder-Oder-Denken hineinpassen. In dem Workshop über Medien und Wahrnehmung bekennt sich ein Journalist meiner Generation dazu, Araber und Atheist zu sein, und fragt sich und die Journalistinnen auf dem Podium, ob er Frauen einen Gefallen tue, wenn er es toleriere, dass diese ein Kopftuch tragen, schließlich sei dieses doch ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen. Ach, meint da Ethar El Katatney, wenn Sie sich das wieder einmal fragen, denken Sie doch einfach an mich! Oh, ich vergaß zu erwähnen: Ethar El Katatney trägt ein Kopftuch.
Das Anna-Lindh-Forum in Barcelona lud ein zur Partizipation, wer gerade nicht an den vorbereiteten Sessions und Workshops in der Agora oder der Medina teilnehmen, wer sich keine Ausstellung oder Filme ansehen wollte, konnte auf dem interkulturellen Marktplatz Gesprächspartner finden oder sich in einer Lobby in den gemütlichen Sesseln zum Plausch oder zu konkreten Projektabsprachen zusammensetzen. Im Foyer gab es außerdem eine kleine Ausstellung der wichtigsten Zeitschriften aus dem euro-mediterranen Raum, wo ein großer Tisch dazu einlud, sich zu einem kreativen Magic Round Table zusammenzusetzen. Ein Kommunikationsspiel, zu dem Heiner Benking von Positiv Nett-Works eingeladen hatte, wo eigene Redezeit durch Verschenken in Zuhörzeit verwandelt wird und so ein dynamisches, intensives Gespräch entstehen kann, im Idealfall ein Tanz zwischen Sprechenden und Zuhörenden. Dort erzählte mir ein italienischer Filmemacher die Geschichte über ein fast verlassenes Grenzdorf in Italien, wo Einwanderer aus Nordafrika eine neue Heimat gefunden haben und damit das ganze Dorf zu neuem Leben erweckten: Welch inspirierende Geschichte! Die übrigens den deutschen Filmemacher Wim Wenders dazu angeregt hat, einen Dokumentarfilm zu drehen.
We are the people! Aus dieser Überzeugung heraus werden Menschen aktiv und suchen nach Lösungen von Konflikten. 1000 Menschen aus den Zivilgesellschaften versammelten sich in Barcelona und gaben Beispiele von dem, was alles möglich ist. Anna-Lindh-Stiftung das ist nicht nur das Bekenntnis der Regierungen zum Barcelona- Prozess und einer Union für das Mittelmeer, die am 13. Juli 2008 unter Beteiligung aller EU-Mitgliedstaaten gegründet und deren Büro in Barcelona im Januar 2010 eröffnet wurde, sondern das sind all die vielen kreativen Initiativen, die Menschen in Europa und in der Mittelmeerregion erfolgreich umsetzen. Denn wie André Azoulay in seiner Abschlussrede noch einmal betonte: Regierungen können Friedensverträge unterzeichnen, Frieden machen, das können nur die Menschen selbst!
Es war eine Würdigung all dieser Menschen, dass beim Abschlusspanel Katarina Stigwall, die Repräsentantin des schwedischen Netzwerkes der Anna-Lindh-Stiftung Resonanzen und Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz vortragen konnte.
Stellvertretend für alle fordert sie die Anna-Lindh-Stiftung dazu auf, ihren Mitgliedern Fragen zu stellen, denn sonst höre diese nur die lauten Stimmen. Wichtig sei es aber vor allem nach der versteckten Historie zu forschen und Geschichten zu lauschen, die sonst nie erzählt würden. Fragen müsse die Stiftung auch nach Problemen, denn sonst sei es unmöglich, den Kern eines Konfliktes zu erfassen und den Kontext zu verstehen.
Ein wichtiger Punkt sei auch die Definition des Begriffes von Kultur, denn in fast jeder Präsentation sei dieser Begriff verwendet worden. Wenn die Stiftung über Kultur spreche, so sollte dieser Begriff so weit wie möglich gefasst werden und sich nicht beschränken auf Kulturerbe, Traditionen und die schönen Künste. Kultur sei Identität und als solche umfasse sie Spiritualität, Religion, Werte, all das, was den Kern unserer Identität ausmache. Dazu gehöre auch die soziale Dimension: der politische und ökonomische Kontext forme die Art und Weise, wie wir auf die Welt blicken und diese interpretieren; all das fließe ein in einen interkulturellen Dialog. Auch den Begriff der Gleichheit müssten wir aus seiner Beschränkung auf Gender und Nationalität lösen, er sei auch zu beziehen auf Alter, Klasse und weitere Faktoren, die unser Sein bestimmen.
Im Zentrum jedoch steht für Katarina Stigwall die ökologische Nachhaltigkeit, denn diese sei in fast jedem Workshop in unterschiedlicher Weise erwähnt worden. Viele der anwesenden Nichtregierungsorganisationen befassen sich mit diesem Thema und die Bedeutung einer intakten Umwelt und der ökologischen Nachhaltigkeit sei für uns alle gleich wichtig, egal welche Differenzen uns auch sonst trennen mögen. Deshalb sollte die Herausforderung der ökologischen Nachhaltigkeit in Zukunft bei der Anna-Lindh-Stiftung an erster Stelle stehen.
Der Beifall zeigte, dass sie allen Teilnehmenden aus der Seele sprach, und Präsident André Azoulay dankte ihr für ihre offenen Worte und bekräftigte noch einmal die Stärke, die von dem zivilgesellschaftlichem Engagement der vielen Initiativen ausgehe, denn eine starke Welle bestehe schließlich auch aus vielen kleinen Tropfen. Wir als Anna-Lindh-Stiftung sind nur stark durch Sie! Bleiben Sie weiter aktiv an den Orten, wo sie zu Hause sind. Ihre Überzeugung und Stärke wird uns alle stark machen. 2012 werden wir uns wieder treffen! |
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III |
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Autobiographisches Archiv 2001-2010 |
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1/10 Heimspiel - Plädoyer für die emanzipierte Familie
- ab40 im Gespräch mit Lisa Ortgies Fotos Ulrike Reinker
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4/09 Töchter des halben Himmels
- Das Leben der Hui Lin Xü, Mutter von Xiao Hui Wang
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3/09 80x ab40 >> wie 80 Steine, die ins Wasser geworfen werden
und ihre Kreise ziehen - von Greta Tüllmann
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2/09 XIAO HUI WANG - eine Lebensbeschreibung
- von Brigitta Rambeck
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1/09 GELD regiert die Welt -doch wer regiert das Geld?
- Margrit Kennedy im Gespräch mit Greta Tüllmann
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4/08 Allein hätte ich es nicht geschafft
- Der mutige und ehrgeizige Weg der Fatma Celik
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3/08 Ich bin die Mutter
- Dagmar Margotsdotter-Fricke
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2/08 Eine Frau wie ein Gedicht
- Luisa Francia berichtet über die Schauspielerin Julie Christie
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1/08 Anita Roddick
- Gründerin von The Body Shop International
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4/07 Neue Lernwelten
- weibliche Kreativität in Aktion
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3/07 Ohne Diskussion bewegt man nichts -
Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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2/07 Augen für die Schöpfung -
Das Interview mit Nomi Baumgartl führte Doris Iding
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4/06 Fügung und Annahme -
Die Künstlerin Sibilla Brombach-Lersch, Wegbereiterin der deutschen
Hospizbewegung. |
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3/06 Wer setzt sich da auf meine Flügel? -
Die Autorin Angelika Aliti und ihr neues Buch |
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2/06 Unaufdringlich erfolgreich -
Interview mit die Filmregisseurin, Caroline Link |
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1/06 Schenken als Grundlage unseres Seins -Die Filmemacherin Uschi  Madeisky berichtet von Geneviève Vaughan und ihre Ökonomie des Schenkens |
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4/05 Dreizehn Emotionen -mit Elke Heidenreich sprach die Filmemacherin Uschi Madeisky |
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3/05 Wenn sich zwei starke Frauen treffen -Shaikha Mai Mohammed Al Khalifa und Fatema Mernissi |
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2/05 Lieber gut altern, als schlecht jung bleiben -Christine Kaufmann |
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1/05 Bio aus Liebe zur Erde und zur Natur -Die Mitbegründerin von Rapunzel, Jennifer Vermeulen |
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3/04 Von Suchen und Ankommen -Interview mit die Schäferin Barka Dätwyler
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2/04 "Alles wird gut!" -Interview mit Nina Ruge, Schirmherrin des Netzwerkes von Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern
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1/04 Feuerenergien -ab40 im Gespräch mit Marianne Koch
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4/03 Der Garten des Lebens -ab40 im Gespräch mit Friedrich Graf
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2/03 Der Duft ist die Seele der Pflanzen -ab40 im Gespräch mit Maria Kettering
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1/03 Ein anderes Fenster in die Welt -ab40 im Gespräch mit Fatna El Bouilh
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4/02 Heilendes Wasser - Kirsten Kuhnert und "Dolphin's Aid"
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3/02 Frauen und Geld: Thema Stiftungen - mit Eva Brinkmann to Broxten
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2/02 Wahnsinnsfrauen - von Heide Walbrodt
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1/02 Frauen und Politik - ab40 im Gespräch mit die Münchner Stadträtin
Monika Renner
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4/01 Schwestern - die Schwestern Luisa Francia und Ilse Thomele
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3/01 Auszüge aus "Einsame Cowboys" und "Der Spott der Helden"
von Cheryl Benard und Edit Schlaffer
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2/01 Atem - Gespräche mit der Atemtherapeutin Herta Richter
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1/01 Affidamento - ab40 im Gespräch mit Traudel Sattler
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