Unternehmenskultur
Die ab 40 stellt hier Firmen vor, die mit ihren Produkten, ihren Herstellungsverfahren und ihrer Haltung gegenüber Umwelt und Natur, mit der Art ihrer Betriebsführung und in ihrer internen Kommunikationsstruktur Verantwortung übernehmen für einen positiven gesamtgesellschaftlichen Kreislauf.

Diese Firmen sind auf vielfältige und unterschiedliche Weise einem menschlichen Maß des Wirtschaftens verpflichtet und setzen sich für dieses menschliche Maß täglich und auf allen Ebenen des unter-nehmerischen Alltags ein.

Mit diesen Beispielen wollen wir Wirtschaftsansätze unterstützen, die zu tragfähigen finanziellen und qualitativ unbezahlbaren "Unternehmenskulturen" führen, in denen Leben und Arbeiten, Produzieren und Verbrauchen, Spaß und Verantwortung zusammengehören, und deren Produkte wir guten Gewissens genießen können.

Trauer braucht eine Heimat –
EIN UNTERNEHMEN GESTALTET UNSERE ZUKUNF

Greta Tüllmann besuchte Fritz Roth in seinem 'Landhaus der Seele' und den 'Gärten der Bestattung', dem ersten privaten Friedhof in Deutschland.

Seit ein paar Jahren überraschen mich in den Bergen an Post, die ich täglich öffne und durchschaue, immer wieder mal besondere kleine Juwelen an Büchern und Broschüren von berührenderSchönheit, die sich mit dem Thema Sterben und Abschiednehmen, Tod und Leben, Trauer undTrauerbegleitung beschäftigen, neue Wege aufzeigen und an alte Rituale anknüpfen, und die alle aus dem Unternehmen “Pütz-Roth, Bestattungen und Trauer-Begleitung“ in Bergisch Gladbach stammen. Der Name Fritz Roth taucht immer wieder auf: Fritz Roth, “Einmal jenseits und zurück, ein Koffer für die letzte Reise“, im Gütersloher Verlagshaus erschienen, ebenso wie Bücher zusammen mit Sabine Bode geschrieben “Trauer hat viele Farben“ und „Wenn die Wiege leer bleibt. Hilfen für trauernde Eltern“, oder mit Jürgen Fliege zusammen geschrieben “Lebendige Trauer. Dem Tod bewusst begegnen“ aus dem Ehrenwirth Verlag. Fritz Roth und all die ein-drucksvollen Projekte, die mit Trauer und Tod neue Wege gehen wie “Die Gärten der Bestattung”, “Das Haus der menschlichen Begleitung”,” Der Pfad der Sehnsucht”, “Die Villa Kunterbunt für trauernde Kinder”, “Die Private Trauer-Akademie Fritz Roth” und schließlich “Pütz-Roth Bestattungen und Trauerbegleitung”.

Ich war neugierig geworden. Und für diese Ausgabe der ab40 über “Trauer und Abschied - neue Wege und Rituale“ setzte ich mich in den Zug und fuhr nach Bergisch Gladbach, um mir alles selbst einmal anzuschauen. Der Taxifahrer in Bergisch Gladbach, ein Ausländer - es könnte ein Inder gewesen sein, ich habe leider vergessen, ihn zu fragen - begann sofort zu schwärmen, als ich ihm die Adresse ‘Pütz-Roth’ sagte: “Das ist einmalig, was dieser Mann macht. Früher war dort ein verkommenes, vergessenes Fabrikgelände und heute ist es ein Zauber- und Märchenwald - eine Oase des Friedens für die Seele, eine Oase für die Toten wie für die Lebenden. Sie werden staunen. Es liegt direkt an einer Hauptverkehrsstraße.
Wir biegen ab und fahren den Hügel hoch und sind in einer anderen Welt. Haben Sie heute die Zeitung schon gelesen? Jetzt machen sie ihm schon wieder Schwierigkeiten, alles nur wegen irgendwelcher Vorschriften. Diese Stadt wird noch mal an ihren ganzen Vorschriften ersticken. Die Herren da oben, die verstehen gar nicht, was dieser Mann macht. Sie müssten ihm alle Wege ebnen, denn dieser Mann gestaltet unsere Zukunft!“ Ich bin beeindruckt, denn ein Bestattungs-institut oder den Tod verbinden wir selten mit Ideen, die die Zukunft gestalten.

Wenige Minuten später sitze ich Fritz Roth in seinem verzauberten ‘Landhaus der Seele’ gegenüber, umgeben von Natur, Schönheit und Kunst, wohin das Auge blickt. Während ich ihm zuhöre, verstehe ich langsam, was mein Taxifahrer meinte: Hier wirkt ein Mensch, wirken Menschen, die uns neue Räume öffnen, innere und äußere, der Seele wieder ein Zuhause schenken, Menschen, die unsere Zukunft gestalten . . .



Fritz Roth: “Trauer ist eine Form der Liebe, ein Ausdruck von Liebe, und wie jede Liebe zwischen zwei Menschen einmalig ist, ihre eigene Geschichte und Ausdruck hat, so ist auch die Trauer um einen Menschen einmalig und braucht ihre einmalige Form, braucht Zeit und Raum, um gelebt zu werden. Wenn wir einen Menschen lieben, wenn wir verliebt sind, machen wir die unmöglichsten Dinge und sie sind ganz selbstverständlich für uns. Wir schmettern mitten in der Nacht Arien unter dem Fenster der Geliebten, wie es in der Oper so schön gezeigt wird, werden alle selbst zu Sängern oder Poeten und, und, und ..., um dieser Liebe Ausdruck zu verleihen.
Mit der Trauer ist es genauso. Wenn wir unsere Trauer nicht leben können, verlieren wir ein Stück unserer Lebendigkeit, denn Tod und Leben gehören zusammen, sind die zentralen Themen menschlicher Existenz, das Symbol unserer Endlichkeit. Wir haben den Tod in unseren modernen Gesellschaften zu sehr aus unserem Bewusstsein verbannt.

Greta Tüllmann: Auch aus unseren privaten Räumen. Die meisten Menschen sterben heute in Krankenhäusern.

So ist es. Wenn ein Mensch gestorben ist, wird er zum Störfaktor für unsere alltägliche Normalität. Die Hinterbliebenen stehen meist hilflos dabei, wenn dieser “Störfall“ schnell und unauffällig beseitigt wird. Wir haben den Tod tabuisiert und damit Sterbende und Trauernde zu Außenseitern gemacht. Mehr noch: Fast niemand weiß, dass Trauer nicht nur ein vergängliches Gefühl, sondern vielmehr ein wichtiger Prozess der Verarbeitung von Verlust- und Trennungserlebnissen ist, an dessen Ende bei bewusstem Umgang mit der Trauer nicht nur die Verarbeitung des Verlustes, sondern auch eine positive Entwicklung der Persönlichkeit und eine neue Lebendigkeit stehen.

Andererseits kann verdrängte oder unterdrückte Trauer verheerende Folgen für die seelische und körperliche Gesundheit Hinterbliebener haben. Deshalb müssen wir wieder lernen, Trauer zuzulassen, und auch lernen, der Realität des Todes einen Platz im Leben einzuräumen. Denn kaum jemand rechnet mit dem Tod; fast niemand hat gelernt, mit ihm umzugehen. Genau hier, im gesellschaftlichen Niemandsland zwischen Lebenden und dem Tod, sehen wir wichtige zusätzliche Aufgaben für Menschen, die an der Schnittstelle des Lebens arbeiten - so wie wir als Bestatter und Trauerbegleiter unsere Arbeit verstehen.

Sie sind also viel mehr als ein reines Bestattungsinstitut?

Wir sind schon auch ein Bestattungsinstitut, gehen hier aber ganz neue Wege. Die eine Säule unseres Unternehmens ist das Bestattungsinstitut Pütz-Roth mit den Gärten der Bestattung, einem privaten Friedhofsgelände, die andere Säule ist die Private Trauerakademie Fritz Roth. Wir möchten unseren Beitrag leisten, in diesem Land eine neue Trauerkultur aufzubauen, im Bewusstsein der Menschen und der Gesellschaft wieder eine Balance von Leben und Tod herzustellen. Der Tod ist der größte Lehrmeister des Menschen. Wenn wir den Tod wieder in unser Leben integrieren, schenkt er uns ein Gespür für Lebendigkeit, eine neue Wertschätzung des Lebens und allem Lebenden gegenüber.
Der Tod eines Menschen setzt in der Regel eine eingespielte Maschinerie in Gang, die nach dem Begräbnis, wenn der Bestatter seine Aufgabe als getan ansieht, schlagartig aussetzt.
Jetzt, im unvermeidlichen Gefühl großer Leere, kommen die Hinterbliebenen erstmals zur Ruhe und beginnen zu erfassen, was geschehen ist.
Das private Umfeld, Freunde und Familie reagieren mit Unsicherheit. Nach anfänglichen Beileidsbezeu-gungen macht sich Ratlosigkeit über den angemessenen Umgang mit den Hinterbliebenen breit. Zurückhaltung ist die Folge. Der Trauernde steht allein da und sieht sich außerstande, selbstständig auf Menschen zuzugehen. Zu groß ist der Schock des Verlustes, zu groß die Verunsicherung durch die oft völlige Veränderung der Lebensumstände. Genau hier setzt unser Konzept von einem neuen Umgang mit der Trauer an.
Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung vom Bestatter als Beerdigungsdienstleister verstehen wir uns in allererster Linie als Begleiter von Trauernden durch die schwere Zeit der Neuorientierung nach dem Verlust eines Menschen.
Trauer ist weder Mysterium noch Einzelschicksal oder Krankheit. Als ausgebildete Tauerbeglei-ter wissen wir sehr genau, welchen Prozess Hinterbliebene während der Bewältigung ihres Verlustes durchmachen und welche Hilfestellung zu welchem Zeitpunkt besonders wichtig ist.
Wir helfen Hinterbliebenen, bewusst mit ihrer Trauer umzugehen, vermitteln menschliche Nähe und bieten tatkräftig Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags. Wir wollen Vertrauen und Selbstvertrauen stützen und, wo notwendig, neu aufbauen helfen, damit Perspektiven für den Weg aus der Trauer fühlbar werden und in greifbare Nähe rücken. Unser von Berührungsängsten geprägter Umgang mit Verstorbenen entsteht zu großen Teilen aus der konsequenten Verneinung des Themas bis zu dem Zeitpunkt, da wir selbst Betroffene sind. Wir bemühen uns, durch die Ausrichtung von Konferenzen, Veranstaltungsreihen und Ausstellungen dazu beizutragen, die Berührungsängste der Lebenden mit dem Thema Tod abzubauen. Verstorbene werden dem Zugriff durch die Hinterbliebenen scheinbar unvermeidlich entzogen. Diese Vorgehensweise macht es Hinterbliebenen oft unmöglich, sich die nötige Zeit für den Abschied zu nehmen.

Wie gehen Sie mit diesen Berührungsängsten um? Was machen Sie anders?

Es ist von entscheidender Bedeutung, die Realität des Todes in Gegenwart des Verstorbenen zu begreifen. Wir ermutigen alle Betroffenen, sich Zeit für den Abschied zu nehmen. In unserem Haus der menschlichen Begleitung haben wir dazu Abschiedsräume eingerichtet; helle, freundliche Zimmer, die Angehörigen und Freunden des Toten Geborgenheit für ihren ganz persönlichen Abschied bieten. Hinterbliebene gestalten dort die letzten Stunden oder Tage mit dem Toten nach eigenen Wünschen und Gefühlen. Sie können in Gegenwart des Verstorbenen beispielsweise noch einmal dessen Lieblingsmusik hören, seine Bilder aufhängen oder Videoaufzeichnungen gemeinsamer Erlebnisse anschauen. Der Sarg kann bemalt, Grabbeigaben können zusammengestellt oder - zum Beispiel von Kindern - gebastelt, eine Totenmaske kann selbst angefertigt werden. Bei alledem erfahren die Anwesenden fast nebenbei den Trost und die Hoffnung, die der Anblick des ruhenden, friedvollen Gesichtes des Toten vermitteln. Oft erleben wir, dass Hinterbliebene passiv, wie gelähmt wirken. Sie haben die Zusicherung des Bestatters, ihnen “alles abnehmen“ zu wollen, akzeptiert und sich so die Möglichkeit genommen, ihren Trauerprozess durch tätige Teilnahme an der Vorbereitung, der Gestaltung und beim Ablauf der Beerdigung wesentlich zu unterstützen.

Hier bei uns möchten wir die Trauernden zur Mithilfe bei der Einsargung und Grablegung, zu kreativem Zutun bei der Gestaltung der Feierlichkeiten und der Traueranzeigen ermutigen und so von der lähmenden Passivität im Angesicht des Todes befreien. Nach der Beerdigung eines Verstorbenen beginnt die Zeit der Neuorientierung. Nichts ist mehr, wie es war; das Leben und die Welt um uns herum müssen neu geordnet und erlernt werden. In dieser schwierigen Phase brauchen Hinterbliebene besondere Ansprache und Unterstützung, Wärme und Geborgenheit.
Wir wissen, dass es nicht genügt, telefonisch erreichbar zu sein. Denn Trauernde brauchen direkte Ansprache, die wir als Trauerbegleiter ihnen schulden. Neben persönlicher Unterstützung bemühen wir uns, durch Seminare und die Einrichtung von Gesprächskreisen und Selbsthilfe-gruppen den Austausch Betroffener untereinander zu unterstützen, um ihnen so neue Lebens-perspektiven zu vermitteln. Auf diesem Weg ist neben dem “Landhaus der Seele, dem Haus der menschlichen Begleitung” langsam meine “Private Trauer-Akademie Fritz Roth” als zweite Säule unserer Arbeit an einer neuen Trauerkultur entstanden..

Sind Sie schon mit “Pütz-Roth“ aufgewachsen?

Nein, ich bin hier auf einem Bauernhof im Bergischen Land aufgewachsen. Auf einem Bauernhof ist die Berührung mit Tod und Leben allein schon durch das Zusammenleben mit den Tieren noch ganz selbstverständlich. Ich wollte zunächst einmal Mönch werden und ins Kloster gehen und war 9 Jahre in Holland in der Klosterschule eines großen Weltordens. Nach dem Abitur habe ich mich jedoch für ein BWL-Studium, ein Wirtschaftsstudium, entschieden, für das Gegenteil sozusagen. Ich habe nach dem Studium jahrelang mit viel Engagement und Erfolg in der Wirtschaft gearbeitet. Interessanterweise wurde mir genau zu dem Zeitpunkt, an dem mir ein leitender Posten bei einem der großen Energieversorger Nordrhein-Westfalens angeboten wurde, auch das Bestattungsinstitut Pütz angeboten. Ich habe mich für das Bestattungsinstitut entschieden, denn da konnte ich die beiden Seelen in mir besser ausleben. Konnte mehr Verantwortung übernehmen, um die Innen-und die Außenwelten von uns Menschen wieder ins Bewusstsein, in Balance zu bringen.

Wenn Sie in der ab40 mit Ihrer Rubrik “Unternehmenskultur“ Unternehmen vorstellen, die gesamtgesellschaftlich mitdenken, dann ist das Zulassen einer Trauer-Kultur in den Unternehmen für mich ein wichtiges Kriterium. Jedes Jahr gibt es in unserem Land eine Million Sterbefälle. Nach dem Arbeitsgesetz kann ein Angestellter bei dem Tod eines nahen Verwandten zwei Tage frei nehmen. Wer kann schon den Schock des Todes eines geliebten Menschen erleben und nach zwei Tagen wieder zur Tagesordnung übergehen? Im Büro ist für Privates wenig Raum. Mein Volkswirt in mir behauptet, dass durch unterdrückte, falsch gelebte Trauer jedes Jahr ein volks-wirtschaftlicher Schaden entsteht, der in die Milliarden geht. Wir haben die Trauer aus dem Unternehmen verbannt. Der Tod wird zum reinen Verwaltungsakt. Es besteht eine stumme Ignoranz dem Tod gegenüber in der gesamten Berufswelt. Jedes menschliche Leben hat über seinen Tod hinaus eine Würdigung verdient. Jeder Mitarbeiter auch. Und Trauer braucht Zeit und Raum. Ich behaupte, die Welt würde anders aussehen, wenn wir auch in der Arbeitswelt dieses Bewusstsein zurückerobern würden und eine gelebte Trauerkultur zulassen und gestalten. Ich habe dazu eindrucksvolle Beispiele veröffentlicht. Trauer ist für mich die beste Motivation für eine gelungene Unternehmenskultur. Es geht auch um die Balance von Kopf und Bauch. “Cogito ergo sum“ heißt es seit Descartes. Seit 300 Jahren versuchen wir, die Welt mit dem Kopf zu verstehen, und haben dabei viele Herzen gebrochen. Der kleine Prinz sagt: “Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Es wäre gut, wieder mehr mit dem Herzen zu spüren, ein „credo ergo sum“ zurückzuerobern.

Gerade auch in der Unternehmenskultur geht es darum, unkonventionelle Wege zu gehen, Wege, die nicht mit dem Verstand zu verstehen sind. Mit dem Verstand hätte ich schon vor 20 Jahren das Haus schließen müssen, aber über dem Stern des Herzens habe ich noch 20 interessante Jahre vor mir. Und das ist für mich die neue Chance, unsere Welt zu verändern. Es sind nicht mehr die eingefahrenen Normen, die wie alles zu ihrer Zeit vielleicht ihre Zeit hatten. Wir entwickeln uns weiter und wir sollten uns auf den Weg machen, denn wir leben in der aufregendsten aller Zeiten und nicht in der schlimmsten aller Zeiten. Heutzutage haben wir all diese Möglichkeiten und dazu brauchen wir lebendige Menschen. Menschen, die Gefühle zeigen, Menschen, die Träumer sind, Menschen, die Spinner sind, und nicht Menschen, die sich nur vom Kopf leiten lassen, sich zu sehr anpassen, und denen es dann an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein fehlt. Wir brauchen den mündigen Bürger, der mutig neue Wege geht.
Trauer ist gleich Liebe. Ich weiß nicht, ob Sie für Ihre Liebe ein Konzept brauchen, ob Sie dafür Bücher brauchen. Wenn ich verliebt bin, dann habe ich die ganze Liebesbibliothek in meinem Herzen drin. Wir müssen nur einmal diese Türen wieder aufmachen und hineinschauen.
Wir haben alles mitbekommen für ein Leben, wo wir mündig mit Gefühlen und verantwortlich leben können.

Das müssen wir einfach nur wieder entdecken. In der Liebe sind noch diese Anzeichen vorhanden. Da greifen wir auf diese urmenschlichen Ressourcen zurück. Und Trauer ist gleich Liebe. In mein Haus kommen die unterschiedlichsten Menschen. Die ersten Sätze, die ich ihnen sage: “Ich kann Euch keine Konzepte für Eure Trauerarbeit geben. Ich kann Euch aber Mut machen, selber sich wieder für die Trauer zu öffnen, dann werdet Ihr Euer (ureigenes) Konzept finden.“

Sie sagten, das ‘Pütz-Roth’ ein Familienunternehmen ist, das Sie mit Ihrer Frau und Ihrem Sohn gemeinsam führen. Wie viele Menschen arbeiten hier noch mit?

Als ich das Haus übernahm, gab es sechs Angestellte. Heute haben wir 24 Mitarbeiter. Sie sind fantastisch ausgebildet von uns und kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Auswahlkriterien waren ihre gleiche Einstellung zu Tod und Leben und ihre Herzensbildung, die sie in diese Arbeit einbringen. Wir arbeiten immer im Team. Nur gemeinsam sind wir stark. Denn die Arbeit, die wir leisten, ist anspruchsvoll und arbeitsintensiv. Die Trauerfeiern sind sehr individuell. Wir machen eine besonders aktive Kinderarbeit, für Kinder, die trauern, aber auch prophylaktisch haben wir ständig ganze Schulklassen bei uns zu Besuch. Es ist mir ein großes Anliegen, Kindern wieder ein Gefühl für die Wiege von Leben und Tod, die Wegwanderungen unserer Seele zu geben, und so dem Tod den Schrecken zu nehmen und der Seele eine Heimat zu schenken, für die wir Verantwortung übernehmen und die wir selber mitgestalten. Ich plane für die Zukunft noch ein Geburtshaus hier auf dem Grundstück. Den Platz habe ich schon ausgesucht. Geburt und Tod gehören zusammen: Die Seele zu empfangen und sie in Liebe und Würde wieder zu verabschieden, dafür haben wir hier einen schönen Platz gefunden.



Fritz Roth arbeitet mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, die zusammen mit den vielen Betroffenen berührende Projekte geschaffen haben und eine Oase für die Seele entstehen liessen, eingebettet in ein wie verzaubert wirkendes Stück Natur. Ich kann nur empfehlen, es Euch anzuschauen, und ich hoffe, die Fotos geben Euch einen Eindruck von diesem wunderbaren Ort der Kraft und der Liebe. Meine Seele hat in den paar Stunden, die ich dort sein konnte, tief getankt. Ich danke Fritz Roth dafür: Es gibt sie überall, die wunderbaren Menschen, die der Seele eine Heimat schenken, ihnen gehört die Zukunft.

Gerade erschien das Hörbuch von Fritz Roth “Trauer ist Liebe” im Gütersloher Verlagshaus.